03.08.2017

Suzon Fuks, James Cunningham, Jarek Lustych

Overflow in the Volksbad

Das experimentelle Kunstprojekt geht schwimmen und spazieren...

Momentan kann der Begriff „overflow“ ja in seinem direkten Wortsinn erlebt werden, alles fließt über vor Regen, Überschwemmungen inklusive. Aber das Kunstprojekt Overflow beschäftigt sich auch metaphorisch mit dem Begriff, also mit allem, was überläuft, beispielsweise wenn etwas im negativen Sinne aus dem Ruder läuft und ein soziales, technisches oder ökonomisches System überflutet wird. Und welcher Ort könnte für entsprechende Präsentationen passender sein als das Müllersche Volksbad? Allerdings können Besucherinnen und Besucher das Kunstprojekt nur in Badekleidung erleben, alles spielt sich in und um die diversen Becken ab. Aus dem internationalen Künstlerhaus Villa Waldberta sind mit dabei: Suzon Fuks, James Cunningham und Jarek Lustych.

Carlotta Brunetti (München)

Schaumbad“

Installation

Ort: im historischen Wannenbad 1. Stock

Zeit: Von 12:00 Uhr bis 22:15 Uhr

Ein Kleid ca. 4m lang und mit Daunen besetzt, liegt über der alten Badewanne und breitet sich im Raum aus. Es erinnert an ein überfließendes Schaumbad.

 

Fischzucht“

Video, Länge ca. 15 Minuten

Ort: Großes Becken

Zeit: Von ca. 19:30 bis 22:15 Uhr

Das Video ist in der Bayerischen Landes Fischzuchtanstalt in Starnberg aufgenommen. Gezeigt wird die Reproduktion und der Erhalt einheimischer Fische anhand der verschiedener Arbeitsschritte in verschiedenen Aufzuchtbecken.

Ab der Dämmerung wird diese Dokumentation auf das Wasser des Großen Beckens gebeamt. Die Badegäste schwimmen durch die verschiedenen Bilder, Fischrogen, Fische, Gebäude der Fischzucht und teilen sich mit den Fischen ein Element. Die Dokumentation ist aber nicht pädagogisch ausgerichtet, sondern dokumentiert den Blick, den der Künstler auf den natürlichen Reproduktionsprozess wirft. Auf den Wellen des Wassers zerspiegelt löst sich die Information zur malerischen Oberfläche auf.

 

James Cunningham (Australien)

Langsamer Spaziergang“ Starzenbach, Feldafing, Bayern

Video – 150min loop, ohne Klang

Ort: Rotunde am Ende des Großes Becken

Zeit: Von 12 Uhr bis 22:15

Im Unterschied zur üblichen menschlichen Geschwindigkeit, die sich schnell und lediglich nach den gewünschten Informationen suchend durch die Umwelt bewegt, versucht James Cunningham seine Umgebung minutiös zu erfassen, indem er sich besonders langsam durch einen Abschnitt eines Flusses mit dessen Wasserströmung bewegt.

Eine Kopfkamera nimmt automatisch alle 5 Sekunden ein Bild auf. Das aus 1800 Bildern gefertigte Video läuft im gleichen Tempo wie der aufgenommene „walk“. Es läd den Betrachter zu einer langsamen Sehweise und konzentrierten Beobachtung ein, um die selten wahrgenommene Komplexität unserer alltäglichen Umgebung zu erfassen.

 

Jarek Lustych (Polen)

Wasserfarben“

Klang-Bildinstallationen

Ort: in drei Umkleidekabinen

Zeit: 12 Uhr bis 22:15

Jarek Lustych arbeitet mit Tönen, die die Isar, der Lech, die Würm und andere Flüsse unter Wasser erzeugen. Dazu hat er ein spezielles Saiteninstrument entwickelt, welches die Flüsse mit ihrer Strömung bespielen.

Jeweils ein kleiner Mini-Lautsprecher gibt die Unterwasserklänge wieder. Die Klänge sind verhalten. Passend zur jeweiligen „Flussmusik“ hängt ein ca. DIN A5 großes Bild an der Wand der Umkleidekabine. Das Bild ist durch die Vibrationen der jeweiligen Flüsse entstanden. So gibt die Installation nicht nur die innere Musik des Flusses wieder, sondern visualisiert auch deren Muster.

 

 

Suzon Fuks (Belgien/Australien)

"Das Tröpferlbad" – Drip Drip

Performance – Dauer: ab 12 Uhr circa 10 Stunden.

“Ich möchte beschwingt auf die Menge des Wassers aufmerksam machen, die täglich für die allgemeinen Bedürfnisse verbraucht wird. So verteile ich Wassertropfen in die Hände des Publikums. Hierfür benutze ich Pipetten, die mit Statistiken und Fakten beschriftet sind. Ich habe blaue Haare und bin ganz in Blau angezogen. Dabei summe ich die traditionelle Melodie "Das Tröpferlbad". Ich wandere während des ganzen Tages durch die Schwimmhallen und durch die Bäder.“


Geheiligtes Wasser

Video – 3 min loop, ohne Ton

Ort: Kuppel hinter der Doppelschwingtür zwischen Dampfbad und Rundbecken

Zeit: Von 17:30 bis 22 Uhr.
Das Video läuft immer zur halben Stunde für ca. 20 Minuten, alternierend zu den Steinharfenklängen im Dampfbad.

Inspiriert durch die Schönheit des runden Pools im Müller´schen Volksbad projiziert Suzon Fuks auf eine Deckenkuppel im Saunabereich ein Video eines Pools in Yogyakarta (Indonesien). Dieser gilt den Einheimischen als heilig. Sie tauchen ganz unter, meditieren auf dem Grund und halten sich dabei an schweren Steinen fest.

 

Christoph Nicolaus

Steinharfenklänge“

Ort: Dampfbad

Zeit: Ab 17:00 zu jeder vollen Stunde für 10 – 15 Minuten

Das Instrument ist aus massivem Stein, der bis zu einer gewissen Tiefe in Scheiben aufgeschnitten ist. Diese Scheiben werden durch leichtes Reiben mit nassen Händen zum Schwingen und Klingen gebracht. Es entstehen unbekannte, beinahe sphärische Klänge in einem großen Tonumfang. Im Dampfbad legt sich die Luftfeuchtigkeit auf den Stein, mit dem dann ohne weiteres Wasser gespielt werden kann.

 

toffaha (Ägypten/München)

Rasha Ragab + Christoph Nicolaus

Nilebride7'05 und Roof/Huda Shaarawi Street 3'57

Beide Videos abwechselnd im Loop, mit Klang

Ort: Saunaeingangsbereich Wand über dem Personalplatz/ Empfang projiziert.

Zeit: Von12 Uhr bis 22:15

„Nilebride“ ist in in einer Grabanlage der prähistorischen Nuraghekultur auf Sardinien und am Nil aufgenommen. Eine schwarze Frau in weißem Kleid liegt auf einer Grabplatte. Der Kopf eines weißen Mannes erhebt sich senkrecht über ihrem Bauchnabel. Unter der Grabplatte sieht man anstelle des Grabes eine Aufnahme wie sich die selben Personen, wieder in weiß gekleidet, bis zur Brust im Nilwasser gegenüberstehen. Dazu sind leise Klänge der Steinharfe zu hören. Es geht um Stille, um zwischenmenschliche Beziehung und um die Notwendigkeit eines Bewusstseins von ‚Menschsein über Jahrtausende’.

“Roof/Huda Shaarawi Street“ ist auf einem Dach in Kairo aufgenommen. Auf einem Stück roten Teppich stehen eine alte Badewanne und ein vertrockneter Baum in einem Topf. Am Rand der Wanne sitzen die beiden, in weiß gekleidete Künstler und spielen leise auf Spielzeugversionen des traditionellen Musikinstrumentes Rababa. Zu hören sind die üblichen Straßengeräusche Kairos.


 

 

 

Donnerstag, 03.08.2017 von 12.00-22.30 Uhr (Eintritt Schwimmbad)
Müller'sches Volksbad München / Rosenheimerstr. 1

Villa Waldberta: Overflow in the Volksbad

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